Auswirkungen der Corona-Pandemie und gesellschaftlicher Trends auf die Möbelbranche

Symbolbild eines Büros

Ralf Johow gibt eine Einschätzung über Herausforderungen für die Büromöbelbranche

Ralf Johow ist ein deutscher Geschäftsführer und Manager der Bauzulieferindustrie, der über langjährige Erfahrungen in der operativen und strategischen Führung von mittelständischen Unternehmen der Einrichtungsbranche verfügt. Eine Branche, die sich permanenten Veränderungsprozessen u.a. auch in den Arbeitswelten stellen muss. So schnell wie derzeit hat die Arbeitswelt schon lange keinen Paradigmenwechsel mehr durchlaufen.

Das Home-Office in der Corona-Pandemie

In den letzten Jahren wurde Kritik laut, dass sich Deutschland im Zuge der Digitalisierung nicht schnell genug entwickle und andere Länder dadurch einen Vorsprung bekommen würden. In vielen Bereichen haben rückwärtsorientierte Entscheidungsträger den Fortschritt oft ausgebremst.

Ein viel diskutiertes Beispiel hierfür ist das Home-Office. Deren Sinnhaftigkeit immer wieder in Frage gestellt wurde. Viele Arbeitgeber taten sich schwer, die Vorteile des Home-Office abzuwägen und in die Firmenstruktur zu integrieren. Doch die Corona-Pandemie erforderte nun einen radikalen und schnellen Schritt in genau diese Richtung. Um weiter produktiv und umsetzungsstark zu bleiben, spielt das Home-Office eine tragende Rolle. Dabei wurde bestätigt, dass das Bedenken und die Scheu der Arbeitgeber unbegründet waren. Der Sprung ins kalte Wasser hat gezeigt — die digitale Ökonomie funktioniert.

Ralf Johow erklärt das Potenzial für die Büromöbelbranche

Generell zeigt sich, dass belastbare Trends in der Möbelindustrie durch die Wünsche und Anforderungen der Kunden gesteuert werden. Die Corona-Pandemie sorgte für einen großen Anstieg der im Home-Office tätigen Arbeitnehmer, welche dadurch andere Anforderungen als Arbeitnehmer in einem normalen Büro stellen. Diese Verbrauchergruppe legt vor allem Wert auf multifunktionale und flexible (Modul-) Möbel, die sich in den modernen Work-Life Lifestyle integrieren lassen.

Ralf Johow: Welche Veränderungen ergeben sich hierdurch bei der Vermarktung?

Doch auch der normale Einkauf der Kunden verlagert sich mehr und mehr auf die Online-Ebene, da die steigende Mobilität und Digitalisierung dies verlangen beziehungsweise ermöglichen. Die Corona-Pandemie gab diesem Trend noch einen großen Schub.

Gerade im Online-Handel ist die Büromöbelbranche aber noch nicht optimal aufgestellt, da Endkunden weniger Bestellungen online tätigen und den Gang in ein Möbelgeschäft priorisieren. Ein Grund dafür ist, dass Kunden die Produkte sehr gerne haptisch erproben (z.B. „Testsitzen“), bevor sie ihre endgültige Entscheidung treffen.

Doch in der Kombination von Einkaufsverhalten und Home-Office liegt auch ein sehr großes Potenzial für die Büromöbelbranche. Durch eine umfangreichere Erschließung des Online-Handels kann die Büromöbelindustrie gestärkt aus er Corona-Pandemie hervorkommen und besser auf Endkunden eingehen. Allerdings sind hier Investitionen nötig, um langfristig und erfolgreich den Paradigmen-Wechsel und das geänderte Vertriebskonzept zu implementieren. Omni-Channel sind ein Beispiel, wie auf die Wünsche der Kunden reagiert werden kann. Dabei werden dem Kunden übergreifende Kanäle für den Einkauf angeboten. So könnten sie, zum Bespiel, die Ware in einem Möbelgeschäft erproben, den Kaufabschluss jedoch online tätigen. Die Ware würde dann zu ihnen nach Hause geliefert werden. Menschen, die in Großstädten leben (einem weiteren Trend der Gesellschaft) und auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind, würde so ein verbessertes Einkaufserlebnis geboten werden. Die Kombination von umsatzstarken Vertriebskanälen ist der Schlüssel zum Erfolg. Aber auch Investitionen in den Bereichen der Supply-Chain sind nötig, um die neuen Kundenanforderungen zu erfüllen.

Ihr Ralf Johow

Ralf Johow ist ein deutscher Manager und Geschäftsführer in der Bauzulieferindustrie. Expertise in den Bereichen Möbelindustrie, Semiconductor, Bodenbelag.

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